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Stand: 04.01.2006

 

Konzerttermine
Begleittext zum Konzert am 22. Januar 2006



Johann Wolfgang von Goethe

Meeres Stille

Tiefe Stille herrscht im Wasser, 
ohne Regung ruht das Meer, 
und bekümmert sieht der Schiffer 
glatte Flächen ringsumher. 
Keine Luft von keiner Seite! 
Todesstille fürchterlich! 
In der ungeheuren Weite 
reget keine Welle sich.

Glückliche Fahrt

Die Nebel zerreissen, 
Der Himmel ist helle, 
Und Äolus löset 
Das ängstliche Band. 
Es säuseln die Winde,
Es rührt sich der Schiffer. 
Geschwinde! Geschwinde! 
Es teilet sich die Welle, 
Es naht sich die Ferne; 
Schon seh ich das Land!

Die Chorfantasie Ludwig van Beethovens gilt heute als eines der schönsten Werke des großen Komponisten. Dabei geriet ihre Uraufführung am 22. Dezember 1808 in Wien zu einem Eklat. Beethoven hatte sich ein großes Programm vorgenommen: 5. und 6. Sinfonie, das 4. Klavierkonzert, Teile einer Messe, eine Arie und schließlich die Chorfantasie. Beethoven selbst dirigierte und saß auch am Klavier. Da er mit der Komposition der Chorfantasie noch nicht ganz fertig geworden war, improvisierte er die Einleitung. Das allerdings überforderte die Musiker so sehr, dass Beethoven das Konzert abbrechen und neu anfangen musste. Hinterher beschwerte sich der Meister in einem Brief an seinen Verlag Breitkopf und Härtel über die Musiker und darüber, "dass der Zustand der Musik immer schlechter werde" .

Zwei Jahre nach dieser Uraufführung legte Beethoven eine endgültige Version vor. Bei der Aufführung in Frohnau muss also nicht mehr improvisiert werden. Das Stück wird vom Klavier eingeleitet, Instrument für Instrument nimmt das Orchester das Thema auf bis schließlich der Chor in einem grandiosen Finale dazukommt.

Den Solopart am Klavier übernimmt die Pianistin Felicitas Rodach. Gerade mal 28 Jahre alt, hat sie schon mit Dirigenten wie Ricardo Muti, Lorin Maazel und Michael Gläser zusammengearbeitet. Jetzt gibt sie gemeinsam mit der Frohnauer Kantorei und dem Frohnauer Orchester ihr drittes Konzert in der Johanneskirche.

An die Chorfantasie schließt sich die Beethoven-Kantate "Meeresstille und glückliche Fahrt" an. Beethoven, ein glühender Verehrer Goethes, ließ sich von dessen gleichnamigen Gedichten zu der Kantate inspirieren. Sie gilt als eines der schönsten Musikwerke der abendländischen Musik überhaupt, wird jedoch selten aufgeführt, weil es dazu einen mächtigen Chor braucht. Kein Problem für die Frohnauer Kantorei - hat sie doch über hundert Sängerinnen und Sänger.

Zwei Spätwerke Josef Haydns runden das Programm ab: die 84. Sinfonie und das Klavierkonzert D-Dur.
Schon mit 29 Jahren 1762 hatte Josef Haydn erreicht, wovon andere Musiker ein Leben lang träumten: er trat als Hofmusiker in den Dienst der adligen Familie Esterhazy und blieb dort fast 30 Jahre lang. So verfügte er über ein festes Einkommen, eine aufgeschlossene und gebildete Zuhörerschaft und über ein eigenes Orchester: "Ich war vor der Welt abgesondert, niemand in meiner Nähe konnte mich an mir selbst irre machen und quälen, und so musste ich original werden, sagte Haydn über diese Zeit. Schnell wurde er auch über den Kreis der Familie Esterhazy hinaus bekannt und erlangte schon zu Lebzeiten internationalen Ruhm. So komponierte er seine 84. Sinfonie als Auftragsarbeit für ein französisches Publikum.
Kurz bevor er diese und die anderen "Pariser Sinfonien" komponiert hatte, entstand 1784 das Klavierkonzert D-Dur. Es sollte Haydns populärstes Konzert werden. Unverwechselbar wird das Werk durch seinen Schlusssatz: ein großes Finale, das auf einer ungarischen Polka beruht.

Nina Bewerunge

Quelle: Forum Johanneskirche 01/2006 (Gemeindeblatt der Ev. Kirchengemeinde Frohnau)  www.kg-frohnau.de